Das stets sehr gut informierte Fondsprofessionell berichtet darüber, dass es mit Wero in Österreich tatsächlich ernst wird! Mit Wero soll eine europäische Bezahllösung Fuß fassen, die sich als Alternative zu Paypal, Apple Pay und den großen Kartennetzwerken versteht. In Österreich nimmt das Projekt jetzt Fahrt auf, geleitet wird die Umsetzung von einem bekannten Gesicht aus der heimischen Bankenwelt. Allerdings zeigt sich beim genauen Hinschauen, dass bisher nur ein kleiner Kreis an Instituten mit an Bord ist. Wird das reichen in Österreich?
Was ist Wero überhaupt?
Wero ist eine europäische Echtzeit-Bezahllösung, die von der European Payments Initiative (EPI) entwickelt wird, einem Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. Das Ziel dahinter ist durchaus ambitioniert: Europa soll beim digitalen Bezahlen unabhängiger von internationalen Anbietern wie Visa, Mastercard, Apple Pay oder Paypal werden, an denen man derzeit praktisch nicht vorbeikommt. Über Wero lassen sich Zahlungen in Echtzeit abwickeln, vorerst vor allem von Person zu Person, später auch im E-Commerce und im stationären Handel. Die Idee ist also eine einheitliche, in Europa verankerte Zahlinfrastruktur statt der bisher fragmentierten nationalen Lösungen.
Patricia Kasandziev übernimmt für Österreich
Die Einführung in Österreich verantwortet Patricia Kasandziev, die im Juni 2025 von der Spitze der Bank99 zurückgetreten ist. Sie ist nun Country Lead Austria bei der EPI und treibt gemeinsam mit den beteiligten Banken die Einführung von Wero im Land voran. Kasandziev sieht in einer einheitlichen Zahlinfrastruktur gerade für Österreich und die CEE-Region großes Potenzial und verweist auf die bislang stark zersplitterte Landschaft an Bezahllösungen.
Diese Institute steigen ein
Anfang der Woche haben fünf große heimische Institute angekündigt, sich bei der EPI als Aktionäre zu beteiligen:
- die Erste Group,
- die Raiffeisen Bank International (RBI) sowie die
- Raiffeisenlandesbanken Niederösterreich-Wien,
- Oberösterreich und
- Steiermark.
Die RBI hatte zuvor bereits den Status eines Serviceunternehmens für Firmenkunden inne. Die jeweiligen Aufsichtsgremien müssen der Beteiligung allerdings noch zustimmen. Auch die Volksbanken haben Interesse signalisiert, laut einer Sprecherin würden alle Verbundbanken teilnehmen, das Implementierungsprojekt sei bereits gestartet. So informiert Fondsprofessionell. Damit bekäme bei einer Einführung immerhin ein größerer Teil der österreichischen Bankkunden Zugang zu Wero. Von der BAWAG oder Bank Austria ist jedoch nichts zu hören in Sachen Wero-Teilnahme in Österreich.
So vielversprechend das klingt, die Entwicklung verläuft alles andere als rasant. Die Zusage der fünf österreichischen Institute kommt rund ein Jahr, nachdem die Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer angekündigt hatte, die Branche prüfe eine Mitwirkung. Erst jetzt sagen die größten Banken des Landes konkret zu, der Rest hält sich vorerst zurück. Auch europaweit ist der Kreis noch überschaubar.
Wero und der Vorteil gegenüber dem digitalen Euro
Wero ist eine privatwirtschaftliche Bezahllösung, die von europäischen Banken selbst getragen wird, während der digitale Euro eine staatliche Lösung der Europäischen Zentralbank wäre. Genau darin liegt aus Sicht der Banken der entscheidende Unterschied. Bei Wero bleibt das Geld auf den gewohnten Bankkonten liegen, die Zahlung läuft im Hintergrund über die bestehende Kontoinfrastruktur, und die Kundenbeziehung bleibt vollständig bei der jeweiligen Bank. Beim digitalen Euro hingegen würden Bürger einen Teil ihres Giralgeldes in digitales Zentralbankgeld umwandeln, das direkt bei der Notenbank gehalten wird. Für die Institute bedeutet das einen möglichen Abfluss von Einlagen und damit ein Risiko für ihre Liquidität und ihr Geschäftsmodell.
Der Vorteil, den die Banken für Wero ins Treffen führen, ist also vor allem ein struktureller. Wero soll dieselbe Funktionalität bieten, schnelle Zahlungen in Echtzeit zwischen Privatpersonen, im Handel und im E-Commerce, ohne dass dafür Geld aus dem klassischen Bankensystem abgezogen werden muss. Hinzu kommt, dass Wero bereits jetzt schrittweise ausgerollt wird, während der digitale Euro noch in der politischen und technischen Vorbereitung steckt und frühestens in einigen Jahren verfügbar wäre. Die Banken wollen mit Wero also eine eigene, marktwirtschaftliche Antwort etablieren, bevor die öffentliche Variante kommt, und sich so die Hoheit über den Zahlungsverkehr und die Kundenschnittstelle sichern.
Ob dieser Vorteil bei den Endkunden tatsächlich ankommt, hängt freilich davon ab, wie viele Banken am Ende mitziehen und wie reibungslos die Bezahlung im Alltag funktioniert. Beim digitalen Euro lockt umgekehrt das Argument, dass er als gesetzliches Zahlungsmittel überall akzeptiert werden müsste, was Wero als private Lösung nicht von sich behaupten kann.
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