Bundesschatz 48 Monate mit 3,10 % p.a.: Warum 27,5 % KESt den Vorsprung zu Bankzinsen aber wieder auffressen

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats passt die Republik Österreich die Zinsen beim Bundesschatz nach oben an. Ab Montag, 12. Oktober 2026, sind die beiden langen Laufzeiten an der Reihe, nachdem Mitte September bereits die kurzen Bindungen angehoben wurden. Der Bundesschatz ist ein österreichisches Angebot und steuereinfach, die Kapitalertragsteuer wird automatisch abgeführt:

  • 48 Monate: 3,10 % p.a., bisher 3,00 % p.a. (Erhöhung um 0,10 Prozentpunkte)
  • 120 Monate: 3,50 % p.a., bisher 3,40 % p.a. (Erhöhung um 0,10 Prozentpunkte)

Unverändert bleiben 1 Monat mit 2,45 % p.a., 6 Monate mit 2,60 % p.a. und 12 Monate mit 2,85 % p.a.

Aktuelle Zinsen und was die Kurve verrät

Auffällig ist, wie steil die Zinskurve beim Bundesschatz inzwischen verläuft. Zwischen der kürzesten und der längsten Laufzeit liegen 1,05 Prozentpunkte, zwischen 12 und 48 Monaten immerhin 0,25 Prozentpunkte. Die Republik signalisiert damit klar, dass sie längere Bindungen honoriert. Für Anlegende stellt sich die Frage, ob der Aufschlag für drei zusätzliche Jahre Bindung ausreicht, denn wer heute 48 Monate wählt, verzichtet auf die Möglichkeit, bei weiter steigenden Zinsen nachzujustieren.

BankLaufzeitZinsen p.a.
Bundesschatz1 Monat2,450 %
Bundesschatz6 Monate2,600 %
Bundesschatz12 Monate2,850 %
Bundesschatz48 Monate3,100 %
Bundesschatz120 Monate3,500 %

Gültig ab 12.10.2026

Der Mitbewerb im Überblick

Für den Vergleich dient der Bundesschatz über 48 Monate. Entscheidend ist hier die Besteuerung: Als Wertpapier unterliegt der Bundesschatz 27,5 % KESt, Zinsen auf Bankeinlagen werden mit 25 % besteuert. Daraus ergibt sich eine einfache Faustregel, ein Bankangebot muss brutto nur rund 3,00 % p.a. bieten, um netto mit 3,10 % p.a. beim Bundesschatz gleichzuziehen. Gerechnet wird mit 10.000 Euro über vier Jahre, vereinfacht ohne Zinseszins.

Top 5 Angebote, nur steuereinfach

Brutto belegt der Bundesschatz Platz 2, netto landet er auf dem letzten Platz der fünf besten steuereinfachen Angebote. Denzel Bank und Hypo Tirol liegen mit 3,00 % p.a. praktisch gleichauf, wobei das Jubiläumssparen der Hypo Tirol nur für Neueinlagen gilt. Die Raiffeisenbank Wels bringt über vier Jahre 10 Euro mehr, die Renault Bank direkt sogar 46 Euro. Damit zeigt sich, dass der Bundesschatz trotz der Erhöhung im steuereinfachen Segment kein Spitzenangebot ist, sondern mit den guten Bankangeboten auf Augenhöhe liegt.

Bank / ProduktZinsen p.a.netto p.a.Nettozinsen 48 Monateggü. BundesschatzBesonderheiten
Renault Bank direkt Festgeld3,150 %2,363 %945,00 €+46,00 €–
Bundesschatz3,100 %2,248 %899,00 €–27,5 % KESt
Raiffeisenbank Wels Online Sparen fix3,030 %2,273 %909,00 €+10,00 €–
Denzel Bank Festgeld3,000 %2,250 %900,00 €+1,00 €–
Hypo Tirol Jubiläumssparen3,000 %2,250 %900,00 €+1,00 €Neueinlagenangebot

Stand: 12.10.2026, Berechnung mit 10.000 Euro, 25 % bzw. 27,5 % KESt, ohne Zinseszins

Top 5 Angebote, inklusive nicht steuereinfach

Deutlich größer wird der Abstand, wenn ausländische Banken einbezogen werden. Yapi Kredi zahlt über 48 Monate 3,55 % p.a. und bringt damit 166 Euro mehr als der Bundesschatz, Bigbank liegt mit 3,50 % p.a. bei einem Plus von 151 Euro, Klarna mit 3,24 % p.a. bei 73 Euro. Alle drei sind nicht steuereinfach, die Zinserträge müssen selbst über das Formular E1kv erklärt werden. Wie das Selbstversteuern geht, zeigt dieser Beitrag. Zu bedenken ist außerdem, dass hier die Einlagensicherung des jeweiligen Sitzlandes greift.

Bank / ProduktZinsen p.a.netto p.a.Nettozinsen 48 Monateggü. BundesschatzBesonderheiten
Yapi Kredi Euro-Plus Festgeldkonto3,550 %2,663 %1.065,00 €+166,00 €nicht steuereinfach
Bigbank Festgeld3,500 %2,625 %1.050,00 €+151,00 €nicht steuereinfach
Klarna Festgeldkonto3,240 %2,430 %972,00 €+73,00 €nicht steuereinfach
Renault Bank direkt Festgeld3,150 %2,363 %945,00 €+46,00 €–
Bundesschatz3,100 %2,248 %899,00 €–27,5 % KESt

Stand: 12.10.2026, Berechnung mit 10.000 Euro, 25 % bzw. 27,5 % KESt, ohne Zinseszins

Einordnung

Die Erhöhung ist für bestehende Bundesschatz-Anlegende ein positives Signal, an der Wettbewerbsposition ändert sie aber wenig. Rein rechnerisch verliert der Bundesschatz durch die höhere KESt rund 0,08 Prozentpunkte Nettorendite gegenüber einem gleich hoch verzinsten Bankprodukt. Seine Stärke liegt woanders: Die Republik Österreich haftet für die gesamte Veranlagung, eine Obergrenze wie bei der Einlagensicherung gibt es nicht. Für größere Beträge über 100.000 Euro oder für mündelsichere Veranlagungen bleibt der Bundesschatz damit eine der naheliegendsten Optionen. Wer hingegen die Nettorendite maximieren möchte, findet bei steuereinfachen Banken knapp bessere und bei ausländischen Banken deutlich bessere Konditionen.

Über Bundesschatz und Sicherheit

Bundesschatz ist ein verzinsliches Wertpapier, das direkt von der Republik Österreich begeben wird. Seit Ende April 2024 können Privatanlegende wieder direkt beim Staat veranlagen, und zwar ab 100 Euro in verschiedenen Laufzeiten und ohne Kursrisiko. Da es sich um ein Anleihenprodukt handelt, gibt es keine Einlagensicherung, die Republik Österreich haftet als Emittentin für sämtliche Veranlagungen. Bundesschatz gilt als mündelsicher und kann auch von Unternehmer:innen für den Gewinnfreibetrag genutzt werden.

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