Holvi stellt auf österreichische IBAN um: Das ändert sich ab 1. Dezember 2026

Das finnische Fintech Holvi führt seine österreichischen Geschäftskonten künftig über eine eigene Zweigniederlassung in Wien. Für die Bestandskundschaft heißt das konkret: Ab 1. Dezember 2026 gibt es eine IBAN mit AT-Kennung, die bisherige finnische IBAN läuft mit 1. März 2027 aus.

  • Neue AT-IBAN für alle bestehenden Holvi-Konten in Österreich ab 1. Dezember 2026
  • Übergangsfrist von drei Monaten, in der beide IBANs parallel funktionieren
  • Konto, Guthaben, Karten, App und Zugangsdaten bleiben unverändert
  • Neuer Vertragspartner ist die österreichische Niederlassung, Widerspruch gegen die geänderten Nutzungsbedingungen bis 30. November 2026 möglich
  • Kontomodelle ab 0 € Grundgebühr (Holvi Flex) bis 69 € pro Monat (Holvi Business), jeweils netto zuzüglich USt.

Warum eine AT-IBAN überhaupt eine Rolle spielt

Rechtlich ist die Sache eigentlich klar: Innerhalb des SEPA-Raums darf eine IBAN nicht wegen ihres Länderkürzels abgelehnt werden. In der Praxis sieht es aber oft anders aus. Holvi argumentiert, dass Lastschriften mit ausländischer IBAN häufiger scheitern und Förderanträge länger dauern. Laut IT Finanzmagazin hat die Europäische Kommission gegen vier EU-Länder bereits ein Vorprüfverfahren wegen möglicher IBAN-Diskriminierung eingeleitet. Wer als Ein-Personen-Unternehmen oder kleiner Betrieb schon einmal ein Formular bei einer Behörde, Versicherung oder einem Energieversorger ausgefüllt hat, kennt das Problem. Neue Kundinnen und Kunden können das Konto bereits seit Oktober 2026 direkt mit AT-IBAN eröffnen.

Der Zeitplan für bestehende Konten

Aktuell musst du noch nichts tun. Ab 1. Dezember 2026 findest du die neue IBAN in deinem Holvi-Konto, Holvi kündigt dazu eine eigene Nachricht samt Checkliste an. Ab diesem Tag gehen alle ausgehenden Zahlungen, auch Daueraufträge, automatisch über die neue AT-IBAN.

DatumWas passiert
bis 30. November 2026Widerspruch oder kostenlose Kündigung wegen geänderter Nutzungsbedingungen möglich
1. Dezember 2026Neue AT-IBAN aktiv, ausgehende Zahlungen laufen über AT-IBAN
28. Februar 2027Letzter Tag, an dem Lastschriften auf die finnische IBAN funktionieren
bis 1. März 2027Identitätsprüfung per Handy abschließen
1. März 2027Finnische IBAN wird entfernt, Zahlungen dorthin gehen an die Absendenden zurück

In der Übergangszeit kann dir weiterhin jede Person Geld auf die alte finnische IBAN überweisen, auch bereits verschickte Rechnungen mit der alten Bankverbindung können normal bezahlt werden. Nach dem 1. März 2027 kommen solche Zahlungen allerdings zurück, und Lastschriften auf die FI-IBAN werden nicht mehr eingezogen.

Was du bis März erledigen solltest

Die eigentliche Arbeit liegt beim Weitergeben der neuen Bankverbindung. Sinnvoll ist eine Liste aller Stellen, bei denen die alte IBAN hinterlegt ist: Finanzamt und FinanzOnline, Sozialversicherung (SVS), Kammer, Versicherungen, Energie- und Telekomanbieter, Kundschaft mit Daueraufträgen sowie Zahlungsdienste wie PayPal oder Stripe. Dazu kommen Rechnungsvorlagen, E-Mail-Signaturen, Website-Impressum und Buchhaltungssoftware. Ein Tipp aus der Praxis: Passe die Rechnungsvorlage gleich am 1. Dezember an, dann landet die alte IBAN gar nicht erst auf neuen Rechnungen.

Zusätzlich verlangt Holvi bis 1. März 2027 eine neuerliche Identitätsbestätigung. Laut Holvi ist das eine Routineprüfung, die zur Kontoführung über die österreichische Niederlassung gehört und nur wenige Minuten am Handy dauert. Die IBAN wird aber auch dann umgestellt, wenn die Prüfung noch nicht erfolgt ist.

Was gleich bleibt

Es handelt sich um dasselbe Zahlungskonto zum selben Preis, mit denselben Funktionen und denselben Zugangsdaten. Guthaben und Umsatzhistorie bleiben erhalten. Die Debitkarten sind laut Holvi mit dem Konto und nicht mit der IBAN verknüpft, eine Neubestellung oder Aktivierung ist daher nicht nötig.

Der neue Vertragspartner

Die wichtigste rechtliche Änderung betrifft den Vertragspartner: Statt des finnischen Hauptsitzes ist künftig die österreichische Zweigniederlassung zuständig. Holvi ergänzt die Nutzungsbedingungen um deren Kontaktdaten, die neue zuständige Aufsichtsbehörde und die entsprechenden Beschwerdemöglichkeiten, alle anderen Bestimmungen bleiben laut Holvi unverändert. Wer bis 30. November 2026 nicht widerspricht, stimmt den Änderungen automatisch zu. Bis dahin ist auch eine kostenlose Kündigung möglich.

Wichtig für die Einordnung: Holvi ist keine Bank, sondern ein Zahlungsinstitut. Kundengelder werden laut Holvi getrennt vom Firmenvermögen als Kundengelder geführt, eine klassische Einlagensicherung wie bei Banken gibt es bei einem Zahlungskonto aber nicht.

Die Holvi-Kontomodelle im Überblick

Holvi unterscheidet auf der österreichischen Website zwischen Angeboten für Solo-Selbstständige (Flex, Lite, Pro) und für kleine und mittlere Unternehmen (Pro, Business). Alle Preise sind Nettopreise zuzüglich der gesetzlichen Umsatzsteuer, bei monatlicher Abrechnung.

FlexLiteProBusiness
Grundgebühr pro Monat0 €9 €15 €69 €
AT-IBANs12515
SEPA-Überweisungen0,25 € pro Stück100 inkl., danach 0,25 €unbegrenztunbegrenzt
Physische Karten inkl.0 (3 € pro Monat)135
Virtuelle Karten inkl.11120
Bargeldbehebung2,5 %2,5 %2 %bis 2.000 € pro Monat frei, danach 2 %
Kartenzahlung in Fremdwährung2,5 %2 %1 %1 %
SWIFT-Überweisung1 €1 €1 €0,50 €
Rechnungsprogrammneinneinjaja
Zugang für Steuerkanzleineinjajaja

Bei SWIFT-Überweisungen kommt eine Fremdwährungsgebühr von 1 % dazu, im Business-Modell sind es 0,5 %. Weitere physische Karten kosten in allen Modellen 3 € pro Monat.

Für wen welches Modell passt

Holvi Flex ist für Selbstständige interessant, die nur wenige Buchungen im Monat haben und vor allem eine österreichische Geschäfts-IBAN wollen. Ein Haken: Flex verrechnet bei Inaktivität 4,50 € pro Monat. Wer regelmäßig mehr als rund 36 SEPA-Überweisungen im Monat tätigt, zahlt mit Flex mehr als mit dem Lite-Modell. Lite bringt mit 100 inkludierten Überweisungen, Belegerfassung und Zugang für die Steuerkanzlei planbare Kosten. Pro richtet sich an alle, die zusätzlich Rechnungen und E-Rechnungen direkt aus dem Konto schreiben und Zahlungen automatisch abgleichen wollen, inklusive Umsatzsteuer-Vorschau. Business zielt auf Teams mit vielen Karten, Budgets oder Fremdwährungszahlungen.

Holvi wirbt außerdem mit Ersparnissen von bis zu 50 % (Solo-Selbstständige) bzw. bis zu 40 % (KMU) bei jährlicher Zahlung. Die konkreten Jahrespreise lassen sich auf den Preisseiten ablesen, wenn du auf die jährliche Abrechnung umschaltest.

Fazit

Für bestehende Holvi-Konten ist die Umstellung vor allem eine organisatorische Aufgabe: Die drei Monate Übergangszeit sind großzügig, sollten aber genutzt werden, damit nach dem 1. März 2027 keine Zahlungen zurückkommen und keine Lastschrift ins Leere läuft. Mit der AT-IBAN fällt ein häufiger Kritikpunkt an digitalen Geschäftskonten in Österreich weg. Wer die geänderten Nutzungsbedingungen nicht akzeptieren will, muss bis 30. November 2026 aktiv werden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Information und keine Finanzberatung. Holvi ist ein Zahlungsinstitut und keine Bank, für Guthaben auf Zahlungskonten gilt keine gesetzliche Einlagensicherung. Vor einer Kontoeröffnung oder einem Wechsel sollten das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis sowie die Nutzungsbedingungen des Anbieters herangezogen werden. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand: November 2026.

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