OeNB-Studie 2025: Bargeld bleibt zentral, digitales Bezahlen legt aber weiter zu

Die Oesterreichische Nationalbank hat am 29. April 2026 die Ergebnisse ihrer aktuellen Zahlungsmittelstudie 2025 veröffentlicht. Die Daten zeigen ein klares Bild: Bargeld bleibt für die Bevölkerung in Österreich von zentraler Bedeutung, gleichzeitig gewinnt digitales Bezahlen weiter an Dynamik.

Digitales Bezahlen gewinnt vor allem online und bei kleinen Beträgen

Parallel dazu nimmt die Nutzung digitaler Zahlungsmittel weiter zu:

  • 67 Prozent der Befragten kaufen online ein
  • Rund 50 Prozent mindestens einmal pro Monat
  • Wichtigste Zahlungsmittel im Internet sind Karten (35 Prozent) und Wallets (30 Prozent)

Auch im stationären Handel gewinnen digitale Zahlungen an Bedeutung, insbesondere bei kleineren Beträgen unter 10 Euro. Der Anteil von Wallet-Zahlungen hat sich hier von 4 Prozent im Jahr 2022 auf 8 Prozent im Jahr 2025 verdoppelt. Insgesamt liegt der Anteil von Wallets am gesamten Zahlungsverkehr jedoch weiterhin unter 10 Prozent.

Bargeld weiterhin stark im Alltag verankert

Trotz zunehmender Digitalisierung bleibt Bargeld ein dominantes Zahlungsmittel im stationären Handel. Insgesamt werden 91 Prozent aller Zahlungen am Point of Sale abgewickelt. Davon entfallen:

  • 55 Prozent der Transaktionen auf Bargeld, nach 63 Prozent im Jahr 2022
  • 45 Prozent des Umsatzes auf Bargeld, nach 48 Prozent im Jahr 2022

Auch wenn der Anteil rückläufig ist, zeigt sich, dass Bargeld weiterhin eine tragende Rolle spielt. Besonders hervorzuheben ist die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung: 94 Prozent der Befragten möchten nicht auf Bargeld verzichten.

Hohe Zustimmung zu Bargeld, insbesondere bei Sicherheit und Kontrolle

Die Studie unterstreicht mehrere Gründe für die anhaltende Beliebtheit von Bargeld:

  • 94 Prozent halten Bargeld für praktisch
  • 85 Prozent sehen Vorteile beim Datenschutz
  • 83 Prozent schätzen die Privatsphäre
  • 88 Prozent nennen die bessere Ausgabenkontrolle als wichtigen Faktor

Zudem ist der Wunsch nach Erhalt der aktuellen Bedeutung von Bargeld gestiegen. 66 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Bargeld seine Rolle beibehalten soll, ein Anstieg gegenüber 61 Prozent im Jahr 2024.

Deutliche Altersunterschiede im Zahlungsverhalten

Die Studie zeigt klare Unterschiede zwischen den Altersgruppen:

  • Personen unter 50 Jahren tätigen 59 Prozent ihrer Zahlungen elektronisch
  • 16- bis 29-Jährige zahlen zu 62 Prozent digital und zu 38 Prozent bar

Dennoch bleibt Bargeld auch bei jüngeren Menschen relevant: Mehr als 76 Prozent nutzen es zumindest einmal pro Woche.

Abhängigkeit von internationalen Zahlungsanbietern

Ein zentraler Punkt der Analyse betrifft die Struktur des digitalen Zahlungsverkehrs in Europa. Derzeit laufen rund zwei Drittel der elektronischen Zahlungen über US-amerikanische Anbieter. In 13 von 21 Ländern des Euroraums besteht im Handel sogar eine vollständige Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungssystemen, auch Österreich ist davon betroffen.

Digitaler Euro als strategische Antwort

Vor diesem Hintergrund sieht die OeNB im digitalen Euro eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Zahlungsangebot. Ziel ist es, eine europäische, öffentliche Alternative zu schaffen:

  • Digitales Zentralbankgeld soll gebührenfrei nutzbar sein
  • Hohe Sicherheitsstandards sollen gewährleistet werden
  • Unabhängigkeit von außereuropäischen Anbietern soll reduziert werden

Gleichzeitig betont die OeNB, dass es nicht um einen Ersatz, sondern um eine Ergänzung zu Bargeld geht.

Wahlfreiheit als zentrales Ziel

Die Sicherstellung der Wahlfreiheit zwischen Bargeld und digitalen Zahlungsmitteln steht im Mittelpunkt der Strategie der Nationalbank. Dazu verfolgt die OeNB mehrere Maßnahmen:

  • Sicherstellung einer flächendeckenden Bargeldversorgung, unter anderem durch eigene Bankomaten
  • Einsatz für eine umfassende Bargeld-Annahmepflicht auf EU-Ebene
  • Gleichstellung von Bargeld und digitalem Euro als gesetzliche Zahlungsmittel

Ein genereller Ausschluss von Bargeld, etwa durch „No-Cash“-Hinweise oder entsprechende Geschäftsbedingungen, soll künftig nicht zulässig sein.

Fazit

Die Ergebnisse der Zahlungsmittelstudie 2025 zeigen eine stabile Koexistenz von Bargeld und digitalen Zahlungsmethoden. Während digitale Lösungen insbesondere im Onlinehandel und bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung gewinnen, bleibt Bargeld für die breite Bevölkerung unverzichtbar. Die zukünftige Entwicklung dürfte stark davon abhängen, wie erfolgreich der digitale Euro als europäische Alternative etabliert werden kann und in welchem Ausmaß die angestrebte Wahlfreiheit tatsächlich umgesetzt wird.

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